Erstes Interview mit Jürgen Zöllner, Senator für Bildung und Wissenschaft

22.11.2006
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Wowereits neuer Superstar heißt Jürgen Zöllner (61, SPD). Er wird Senator für Bildung und Wissenschaft.

Der Mann mit der Fliege. Die trägt Zöllner so gut wie immer. Eine Angewohnheit aus Uni-Zeiten. Denn eine Krawatte wäre dem Professor für Physiologische Chemie im Labor nur im Weg gewesen.

Bis zuletzt hatte Klaus Wowereit (SPD) die Personalie um den Nachfolger von Klaus Böger geheim gehalten. Der Regierende gestern: „Mit ihm wird sichergestellt, dass der Wissenschaftsstandort Berlin weiter vorangebracht wird.“

Zöllner, bisher Wissenschaftsminister und Vize-Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz, zählt zu den profiliertesten Wissenschaftsexperten Deutschlands. Er gilt als Analyst und als „das Gehirn“ der Regierung von Kurt Beck. B.Z.-Redakteur Olaf Wedekind sprach nach seiner Ankunft in Berlin mit ihm.


Was reizt Sie an der Hauptstadt?
Jürgen Zöllner: „Für mich ist es eine einmalige Chance, für eine Wissenschafts-Landschaft wie in Berlin Verantwortung zu tragen. Wenn ich dazu beitragen kann, das die Schätze und Perlen sichtbar werden, ist das unheimlich reizvoll. Wenn man mit 61 Jahren eine solche Gelegenheit bekommt und dann Nein sagt, kann man vielleicht nicht mehr in den Spiegel gucken.“

Wie stehen Sie zur Gemeinschaftsschule?
„Der Grundansatz ist einer, der viele Probleme des Schulsystems lösen kann.
Aber die Menschen sind sehr unterschiedlich, es wird deshalb keine einfachen Lösungen geben.“

Was tun Sie gegen den Ausfall von Unterricht an den Schulen?
„Dieses Problem gibt es in jedem Bundesland. Ich werde mir die Berliner Massnahmen dagegen ansehen. Es gibt auch hier keine einfache Lösung.“

Werden Sie Studiengegbühren einführen?
„Das weiß doch jeder, das diese Geschichte im Fluss ist. Willensbekundungen helfen da nicht.“

Besuchen Sie auch die Rütli-Schule?
„Ich werde frühzeitig mit allen relevanten Schulen sprechen. Ich werde keine Symbolhandlungen unternehmen, die sich gut verkaufen lassen.“

Wann ziehen Sie nach Berlin?
„Ich werde mir erstmal ein Hotel nehmen. Meine Kinder sind alle selbstständig. Daher wird meine Familie in Mainz bleiben.“

Auch Ihre Frau?
„Meine Aufgabe ist ein Job rund um die Uhr. Meine Frau bleibt in Mainz und ich hoffe, dass wir uns am Wochenende sehen.“

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